
1800 Quadratmeter für Saargebeat
Saarbrücker Graffiti-Sprayer bekommen eine Wand zum Üben
Saarbrücken. Wild dekoriert
mit Graffitis in den ausgefallensten Farbkombinationen wirken die Betonpfosten
der Autobahnbrücke Westspange nur halb so nüchtern: Buchstaben, verschnörkelt,
eckig oder dreidimensional, lassen sich entziffern. Namen stehen da, sogar
ewige Liebe wird geschworen. Ewig lesbar wird der Schwur aber nicht sein,
denn am Rande ist er bereits wieder übersprüht. Gearbeitet wird hier Schicht
über Schicht, bald wird vom Schwur nichts mehr zu sehen sein als ein Paar
Ecken und Pfeile, vielleicht noch der Kopf der Comicfigur. Es herrscht eben
Mangel an besprühbaren Wänden, selbst illegalen. Das zu ändern, war Frederik
Brockmeyers und Marko Jungs größtes Anliegen. Gemeinsam setzten sie sich
mit ihrem Verein Saargebeat dafür ein, die 500 Meter lange Wand an der A620,
genau gegenüber vom Park am Staden, die gut sichtbar für die Öffentlichkeit
ist, zur legalen Übungsfläche zu machen. Mit Erfolg: Insgesamt warten nun
1800 Quadratmeter darauf, vom 15. bis 18. August mit der Sprühdose eingeweiht
zu werden. Wer sich also zusammen mit bekannten Szene-Größen wie Sprayer
Daim aus Hamburg, Seak aus Köln, dem Münchner Sat oder dem Berliner Dejoe
und auch internationalen Gästen an die Wand wagen will, ist herzlich willkommen,
Dosen werden von der Firma Montana kostenlos zur Verfügung gestellt. Diskjockeys
und Breakdancer aus der Region werden für die passende Atmosphäre sorgen.
Eingeleitet wird das Graffiti-Event am Donnerstagabend, 15. August, mit einer
Podiumsdiskussion. Daneben sind außerdem ein zusätzliches Nacht-Programm
in den Saarbrücker Szene-Clubs und eine Graffiti-Ausstellung geplant. Um
allerdings zu verstehen, warum sich die Veranstaltung, die hauptsächlich
vom Fonds Sozialkultur aus Bonn, vom Stadtverband Saarbrücken, von Karlsberg
und vom Saarländischen Rundfunk gesponsert wird, ausgerechnet "4560 - Graffiti
Meeting" nennt, muss man deren Vorgeschichte kennen: Unter der Aktennummer
4560 liefen nämlich offiziell seit Januar die Verhandlungen zur Freigabe
der Mauer. Dabei fand der vor fünf Jahren vom Bezirksrat bereits gefasste
Beschluss, die Wand einmalig zur Gestaltung freizugeben, keine Berücksichtigung.
Und so stand das von der Dezernenten-Konferenz bereits bewilligte Pilotprojekt
von Saargebeat im Bezirksrat wieder lange Zeit zur Debatte. Dabei forderte
man nur, die für dieses Jahr genehmigten Renovierungsarbeiten aufzuschieben
und in drei Jahren erneut über die Mauer zu entscheiden. Oberbürgermeister
Hajo Hoffmann und die Stadt Saarbrücken hatten schließlich ein Einsehen und
sagten zu. Damit hat der Verein Saargebeat eines seiner größten Ziele erreicht.
Und das verdankt der Verein vor allem der massiven Unterstützung von Barbara
Uduwerella (Hip-Hop Hamburg) und Knut Meierfels (Saarländischer Rundfunk).
Die zehn Aktivisten und rund 80 Mitglieder, die sich seit ihrer Vereinsgründung
im Oktober 2001 für die Förderung der saarländischen Hip-Hop-Kultur einsetzen,
wollen das öffentlichkeitswirksame Event vor allem nutzen, um damit auf ihr
nächstes Projekt, eine Börse zwischen Flächenanbietern und Graffitikünstlern,
aufmerkam zu machen. URSULA MAYER
Infos: www.saargebeat.de
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