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Saarlandseite 14.08.2002
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Graffiti helfen, mit der Jugend bewusst umzugehen

Aus der Schmuddelecke holen

- VON HARALD KNITTER -

"Nur Narrenhände beschmieren Tisch und Wände": Gibt man im Internet als modernstem Medium diese Redensart ein, landet man fast ausschließlich beim Thema Graffiti - ein Armutszeugnis für den Stand der jahrzehntealten Diskussion. Mit einem derart banalen Spruch kommt man in der komplexen Graffiti-Frage zu keiner tragfähigen Antwort. Er klingt, als wären die jugendlichen Sprayer gerade dem Buntstift-Alter entwachsen. Vielleicht fehlt manchem Jugendlichen in der Tat schlicht eine sinnvolle Betätigung und Respekt vor fremdem Eigentum. Legal wäre aber auch die kreative Wandmalerei mit der Sprühdose durchaus ein prima Hobby.

Graffiti sind jedoch mehr, eine eigene Ausdrucksform. So melden die unzähligen "Tags", jene verschlungenen Initialen, der Öffentlichkeit von Wänden und Verteilerkästen: "Ich bin da." In einer Gesellschaft, in der viele junge Menschen nicht nur Zukunftsängste haben, sondern sich auch unbeachtet, gar minderwertig fühlen, sind dies Ausrufe-Zeichen. Die Älteren müssen diese Zeichen der Zeit erkennen und sich stärker mit der Jugend befassen, deren vielleicht fremd wirkende Kultur ernst nehmen. Viele Eltern wissen gar nicht, was ihre Kinder in der Freizeit treiben - es interessiert sie oft einfach nicht. Manch vernachlässigter Spross "aus gutem Hause" schleicht mit der Lack-Dose nachts durch Unterführungen und Bahnhöfe.

Wo Rebellion dahinter steckt, kann eine Flächenbörse das illegale Sprühen nicht verhindern. Sie kann aber Graffiti gesellschaftlich aus der Schmuddelecke holen und zu Gesprächsstoff zwischen Jung und Alt machen. Und die Kenner der Szene erwarten noch etwas anderes: Am helllichten Tage werden Kunstwerke entstehen, mit denen der nächtliche Tagger nicht mithalten kann. Findet der Sprüher so seinen Meister, lässt er aus Respekt die besseren Werke stehen und muss er sich mit dem eigenen Tun auseinander setzen. Der womöglich neue Qualitätsgedanke birgt den Anreiz, an sich zu arbeiten, um besser zu werden. Wenn es dazu bei den illegalen Sprühern kommt, die bisher niemand stoppen konnte, ist das ein Fortschritt.


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