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Saarbrücken 17.08.2002
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 Lokalausgabe Saarbrücken

"Hunde-Duftmarke" aus der Sprühdose?

Saarbrücken. Graffiti - Kunst oder Vandalismus? Die Frage ist eigentlich müßig: Auch hier gibt's wahre Könner und Schmierfinken. Doch ist illegales Graffiti schlicht Lust an der Zerstörung anderer Leute Eigentum? Oder verbirgt sich dahinter der Hilferuf eines Künstlers, dem es an geeigneter Malfläche fehlt?

Zur Podiumsdiskussion über Pro und Kontra von Graffiti luden am Donnerstagnachmittag das SR-Magazin "saarlight" und die Initiative "Saargebeat e.V." an den Saarbrücker Staden. Anlass war das Graffiti-Meeting vom 16. bis. 18. August, bei dem der Startschuss zur (Neu-) Gestaltung einer der größten legalen Gemäldewände in ganz Deutschland fällt: Die Mauer der Stadtautobahn steht auf einer Länge von rund 450 Metern und einer Fläche von 1800 Quadratmetern den Sprayern zur Verfügung. Zudem hat die Stadt mit dem Wirtschaftsministerium einen parteiübergreifenden Drei-Jahres-Vertrag geschlossen, innerhalb dessen weitere legale Flächen gesucht werden sollen. Und so ging es bei der Diskussion, zu der allerdings kaum mehr Publikumsverkehr herrschte als am Staden bei schönem Wetter sonst üblich, hauptsächlich darum, wie es denn nun einzudämmen sei, das illegale Graffiti. Dahinter vermutete Oberbürgermeister Hajo Hoffmann eine aus Wut und Ohnmacht geborene Ausdrucksform, deren Ursachen es zu beachten gelte. Sein Vorschlag: Dem Sprayer deutlich machen, dass er Schaden angerichtet hat und legale Flächen zur Verfügung stellen. Die Hamburger Streetworkerin Barbara Uduwerella appellierte an die Vorbildfunktion der Erwachsenen: Zwar sei Kunst wünschenswerte Kommunikation im öffentlichen Raum, doch müssten die Jugendlichen merken, dass ihr Verhalten Konsequenzen hat.

Schlicht als "aufregende Weise, eine Stadt kennen zu lernen und zu gestalten", wurde Graffiti vom bekannten Dortmunder Sprayer Mason definiert, der wegen illegalen Gestaltens sogar schon im Gefängnis landete und nun nur noch Auftragswände stylt. Ob legal oder illegal, sei dabei zweitrangig, bestätigte auch Frederick Brockmeyer von "Saargebeat e. V.": Das künstlerische Konzept sei meist wichtiger als der kriminelle Kick. Uneinigkeit herrschte lediglich bei der Frage, wie denn ein geschädigter Hausbesitzer auf den unerwünschten Zierrat reagieren solle. Sofort entfernen!, wie Polizist Martin Hoffmann riet, um nicht mit einer scheinbar gleichgültig geduldeten "Hunde-Duftmarke" weitere Sprayer anzulocken. Völlig falsch, widersprach Uduwerella: Damit provoziere man nur weitere Schmierereien als Trotzreaktion. kek


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