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19.08.2002 | |||||
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"Ich brauche das Abenteuer nicht" Der New Yorker Star-Sprüher Sub griff beim Saarbrücker Graffiti-Meeting zur Sprühdose - Stimmung lockerer als in USA - Von KERSTIN KRÄMER - Saarbrücken. Für den normalen Publikumsverkehr ist der Streckenabschnitt gesperrt. Überall auf dem Leinpfad liegen Farbdosen herum, ein beißender Geruch liegt in der Luft. Die meisten der hier arbeitenden Künstler tragen Mundschutz. Aus ganz Deutschland, Italien, Frankreich sind sie angereist, um der Wand an der Stadtautobahn auf der Höhe des Saarbrücker Stadens während des "Graffiti-Meetings" ein neues Gesicht zu verpassen. Wir suchen nach Sub, bürgerlicher Name Tony, dem Star aus New York, der mal eben von Hamburg einen Abstecher nach Saarbrücken machte. Kein Problem, ihn zu finden. Immer neue Bewunderer scharen sich in heiliger Ehrfurcht vor seinem surreal-futuristisch anmutenden Gemälde in düsterem Grün. Sub? Das bedeute nichts, meint der 29-Jährige, nur ein Spitzname. Gemalt habe er immer schon, sei dann in den späten 80ern über Freunde in die Szene reingerutscht. Zwar hat Sub ein abgeschlossenes Kunsthochschul-Studium und auch diverse Meisterkurse in Europa absolviert, wo er sich vor allem mit der Malerei des 19. Jahrhunderts (!) beschäftigte. Aber "Gräffiedi", wie das in Sub's breitem Ami-Slang heißt, mit Betonung auf der zweiten Silbe, das sei doch was völlig anderes. Da habe er rasch seinen eigenen Stil, eigene Techniken entwickeln müssen. Auch stilistisch will er sich nicht festlegen, wechselt zwischen "traditionellem Realismus und Abstraktion". Seine Werke transportieren keine geheimen Symbole und Botschaften: "Es gibt so viel Schreckliches auf der Welt, und manchmal kommt es einen hart an, sich mit Aussagen zurückzuhalten. Aber meistens sprühe ich, um mit meinen Freunden zusammen zu sein und ein wirklich gutes Bild hinzukriegen. Das macht mich happy." Manchmal ziehe er auch allein los, aber die "Sozialkiste" sei ihm doch sehr wichtig. Und wie steht's in New York mit legalen Sprühflächen? "Du musst in den Untergrund gehen, wenn Du wirklich viel sprayen willst", sagt Sub. "Dort zu arbeiten ist viel schwieriger als hier. Graffiti hat einen bösen Namen." Unvorstellbar, zu jemandem zu sagen: Hey, darf ich Dir ein Graffiti an die Hütte machen - "Es wird immer härter, legale Wände zu kriegen." Außerdem, grinst er, könne man sich auf legalen Flächen meist nicht in dem Umfang ausbreiten wie auf illegalen. Doch Sub kann wenigstens mit seinen anderen Gemälden, die er in verschiedenen Galerien ausstellt, und mit Auftragsarbeiten seinen Lebensunterhalt bestreiten. "In Europa ist das völlig anders, hier kann man mit Graffiti wirklich Geld verdienen", meint er. Weitere Unterschiede? "Das wechselt. Europa, besonders Deutschland, war zunächst stark vom New-York-Style beeinflusst. Aber nun ist es eher umgekehrt, denn gerade hier gibt es gute Sprayer, die richtige Konzept-Kunst machen." Für Amerika sieht Sub auch nicht die ausgeprägte Symbiose zwischen Graffiti und HipHop: Beides habe zwar seinen Ursprung in New York City, doch handle es sich mittlerweile um zwei grundverschiedene Bewegungen, die nur ab und zu mal in enge Verbindung träten. Definitiv sei Graffiti aber eine Jugendkultur, denn sie sei von Jugendlichen ausgegangen und verlange jede Menge Energie: "Leiter rauf, Leiter runter", wie das Sprayer Mason aus Dortmund nebenan am ratternden Rollgerüst gerade vorführt, "Graffiti ist schnell, anstrengend, alles ist in Bewegung" - es ist die physische Komponente, die Sub fasziniert. Welche Beziehung hat er eigentlich zur Polizei? Sub fingert an seinem Handschuh. "Ja, ich bin schon geschnappt worden", meint er. Für einige Tage eingebuchtet. "Da könnte ich Geschichten erzählen{hellip}". Will er aber nicht. "Was soll ich dazu sagen? Das ist ein Teil des Spiels! Wenn man illegale Graffitis macht, kann man die Polizei nicht hassen - wir machen unseren Job, die ihren." Und wie steht's mit dem Thrill? Verschafft illegales Sprühen nicht den größeren Kick? "Blablabla. Ich brauche das Abenteuer nicht, es schert mich einen Dreck", behauptet Sub: "Mich interessiert nur, meine Gedanken auf die Wand zu kriegen und meine Arbeit möglichst sorgfältig auszuführen. Und wenn viele Leute davor stehen und sie bewundern." Lust an der Zerstörung könne man mit Hammer und Axt einfacher befriedigen. Die Gründe für illegales Sprayen seien vielmehr das Bedürfnis, gehört zu werden, meint er, jugendlicher Protest oder Frust. Vom Projekt Stadtautobahn ist Sub jedenfalls völlig begeistert: "Fantastisch! Toller Ort, eine Touristen-Attraktion, die Leute aus der ganzen Welt anlocken wird, um hier mit zu gestalten." In so entspannter Atmosphäre malen - nein, das könne man in New York nicht. |
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