
Vom 19. bis 21. August sprühten 50 Spraydosen-Künstler aus Deutschland und Frankreich in Saarbrücken um die Wette. Beim zweiten Graffiti-Meeting im Saarland wurde Deutschlands größte zusammenhängende Sprühfläche umgestaltet.
(19.08.2005) Vor drei Jahren war Saarbrücken schon einmal das Eldorado der Graffiti-Szene. Nach dem Erfolg dieser legalen Sprühaktion trafen sich die Farbdosenkünstler nun erneut im Saarland. Unter dem Motto "FarbFluss“ luden die Veranstalter von "Saargebeat“ 50 Künstler ein, um an der "Hall of Fame“ gegenüber vom Saarbrücker Staden die Farbdosen zu leeren.
Die 450 Meter lange Mauer an der Saarbrücker Stadtautobahn ist die größte zusammenhängende legale Sprühfläche Deutschlands. Schon beim ersten Meeting 2002 konnten sich die Sprayer hier austoben, ohne in Konflikt mit dem Gesetz zu kommen. Im Gegensatz zum Meeting vor drei Jahren waren in diesem Jahr allerdings nur Maler eingeladen, die den Veranstaltern persönlich bekannt sind. Trotzdem konnte ein Top-Aufgebot internationaler Künstler an die Saar geholt werden.
Die Veranstalter hoffen, dass das diesjährige Kunstwerk im Gegensatz zum vergangenen Meeting unbeschädigt bleibt. Kurz nach dem Treffen vor drei Jahren wurden die Bilder der internationalen Sprayer von Unbekannten mit Silberfarbe übersprüht.
Ursprünglich stammt das Wort Graffiti vom griechischen Wort graphein ab. Im italienischen Sprachraum entwickelte sich aus sgraffiare (= kratzen, das Gekratzte) Sgraffiti bzw. Graffiti. Beide Begriffe bezeichnen eine spezielle Kratzputztechnik zur Fassadengestaltung. Hierbei werden zunächst verschiedenfarbige Putzschichten aufgetragen. Danach wird die obere Schicht weggekratzt, wodurch reliefartige Motive entstehen.
Im 19. Jahrhundert wurde der Begriff Graffiti von Altertumsforschern und Archäologen für inoffizielle, gekratzte Botschaften übernommen. Besonders der "inoffizielle" Charakter einer Botschaft - unabhängig von der technischen Ausführung - führte zur modernen Verwendung des Begriffs Graffiti.
Heute assoziiert man mit dem Begriff "Graffiti" eher Schmierereien oder Bilder an Hauswänden, in Bahnhöfen und Zügen, die entweder gar nicht oder nur mit hohen Kosten beseitigt werden können. Oft sind es nur per Sprühdose aufgetragene Namenskürzel und mehr oder weniger geistreiche Botschaften, die nicht unbedingt zur Verschönerung des Stadtbildes beitragen. Bisweilen aber befinden sich auch regelrechte Kunstwerke darunter, die eine traurige, graue Wand durchaus zu einer bunten Augenweide machen können.